Beimpfungstechniken
In dieser Anleitung erkläre ich die notwendigen Schritte bis zu Ihren ersten Pilzen.
Sie haben Vorbrutmaterial bei mir erworben, welches mit verschiedenen
Techniken weiterverarbeitet werden sollte.
Hier zeige ich Ihnen, wie sie schnell und sicher erste Pilzbrut herstellen und wie
Sie diese ins Endsubstrat bringen.
- Beimpfungen von Petrischalen (folgt später)
- Beimpfungen von Flüssigbrut (folgt später)
- Beimpfungen von Körnerbrut
- Beimpfungen von Endsubstraten
- Beimpfungen von Holzstämmen (folgt später)
Beimpfungen von Körnerbrut
Wie Sie Körnerbrut in Gläsern selbst herstellen, finden Sie in meiner umfangreichen Anleitung hier. An dieser Stelle erkläre ich Ihnen, wie Sie Körnerbrut in Beuteln herstellen und anschließend beimpfen.
Sie haben entweder meine speziellen unbefüllten Brutbeutel mit Impfport erworben, dann füllen Sie Beutel später mit einer Körnermischung Ihrer eigenen Wahl. Sie sterilisieren dann das Material in Eigenregie und können in diesem Abschnitt lernen, wie Sie den Beutel mit dem Flüssigmyzel beimpfen und weiter handhaben.
Ich erkläre Ihnen aber auch, wie Sie Stücke eines Agarnährbodens auf die Körner transferieren. Für diese Methode müssen Sie allerdings zwingend unter sehr sauberen Bedingungen arbeiten, wie in einer Impfbox oder vor einem Flowhood.
Möglicherweise haben Sie meine unbeimpfte sterile Körnerbrut oder ein Starterset eingekauft und wollen jetzt das Flüssigmyzel animpfen. Auch dann sind Sie goldrichtig hier...
Vorbereitung:
Suchen Sie sich einen kleinen Platz im saubersten Raum des Hauses.
Arbeiten Sie auf einem desinfizierten Tisch, reinigen Sie Ihre Hände ausgiebig mit heißem Wasser und Seife, trocknen Sie die Hände mit einem frischen gekochten Handtuch ab. Haustiere und Kinder bleiben besser kurz draußen. Halten Sie ein Jetfeuerzeug oder einen Kochbrenner bereit.
Nehmen Sie die Spritze mit der Flüssigbrut 2 Stunden vorher aus dem Kühlschrank, lassen Sie die Spritze vorerst aber noch im Beutel. Die Verwendung von Latexhandschuhen ist angeraten, aber nicht zwingend erforderlich.
⚠️Seien Sie während des ganzen künftigen Handlings mit den Gläsern und Beuteln nicht geizig mit 70%igem Isopropanol oder anderen alkoholbasierten Desinfektionsmitteln, mit denen Sie nicht nur Ihre Hände, sondern auch die Arbeitsumgebung wiederholt einreiben oder abwischen. Achten Sie darauf, alle Zündquellen auszusperren. Rauchen verboten!
Der Beutel mit der Brut wird aus der gelieferten Umverpackung genommen und aufrecht auf den Tisch gestellt. Drücken Sie noch nicht am Beutel herum, das kommt erst im übernächsten Schritt. Nehmen Sie die mitgekaufte Flüssigbrut mitsamt Umverpackung in die Hand und schütteln Sie die Spritze so intensiv durch, wie Sie können! Nicht schon nach 20 Sekunden schlappmachen! Dann öffnen Sie den kleinen Alkopad, nehmen Sie eins der Tüchlein heraus und drücken Sie es auf den Silikonschaum-Impfport. Im nächsten Moment nehmen Sie die Spritze aus der Umverpackung. Dann drehen Sie mit spitzen Fingern den Verschlußkopf der Spritze ab. Der Spritzenkopf selber darf dabei nie berührt werden. Entnehmen Sie jetzt erst die Kanüle aus der Sterilverpackung. Die Sicherheitskappe bleibt noch drauf. Drehen Sie jetzt die Kanüle behutsam auf den Spritzenkopf, bis sie spürbar einrastet. Dann nehmen Sie mit größter Vorsicht die Schutzkappe von der Nadel. Reinigen Sie den Impfport noch einmal mit einem frischen Alkopad oder einem alkoholgetränkten Küchenpapier ab. Nehmen Sie nun mit Gefühl vorsichtig die Schutzkappe der Kanüle ab, ohne die Nadel mit irgendwas zu berühren.
⚠️Keinerlei hektische oder kraftvolle Bewegungen bitte, die Schutzkappe niemals ruckartig herunterziehen, Anfängern droht erhebliche Verletzungsgefahr!
Prüfen Sie nun, ob ein freier Abfluss aus der Spritze erfolgen kann, indem Sie ganz vorsichtig versuchen, eine ganz geringe Menge auf ein Papiertuch zu spritzen. Halten Sie dazu unbedingt die Spritze mit beiden Händen fest, um eine gute Kontrolle über den Kolben zu behalten. Manchmal hat sich durch die Lagerung im Spritzenkopf ein kleiner Pfropf gebildet, der den freien Abfluss verhindert. Versuchen Sie nie, diesen Propf durch kräftiges Pressen auf den Kolben durch die Kanüle herauszudrücken!
Halten Sie in diesem Fall das Kanülenende für wenige Sekunden in die Flamme eines Jetfeuerzeugs oder eines Kochbrenners/ Bunsenbrenners und ziehen Sie ganz vorsichtig "durch die Flamme" etwas Luft in die Spritze zurück, auf diese Weise löst sich der Propf zuverlässig und der Spritzeninhalt bleibt weiterhin steril. Holen Sie sich eine dritte Hand für so eine Aktion, wenn Sie keine feststehende Flamme haben. Warten Sie mit der Applikation noch, bis die Nadel wieder abgekühlt ist. Ziehen Sie beim Gebrauch der Spritzen niemals normale Umgebungsluft in die Spritzen zurück, das ist die sicherste Methode, diese unbrauchbar zu machen.
Drücken Sie die Kanüle dann durch die Mitte des Impfports. Die sterile Nadel darf wirklich nichts anderes berühren als den Impfport, es gelten dieselben hygienischen Regeln wie in der Humanmedizin. Entlassen Sie mit vorsichtigem Druck (beidhändig arbeiten) die gewünschte Menge und ziehen Sie die Spritze wieder heraus. Klicken Sie dann zuerst die Schutzkappe wieder auf. Falls Sie nicht die Gesamtmenge verimpft haben, drehen Sie die Kanüle mitsamt Kappe wieder vorsichtig heraus und setzen einen frischen Verschlussstopfen auf.